Der indische Stadtraum ist der größtmögliche oder aber der völlig negierte öffentliche Raum. Der Begriff des "Öffentlichen Raumes" ist vom aufkommenden Bürgertum geschaffen. Heute ist er das Privileg einer Wohlstandsgesellschaft, die eher daran krankt, dass der Individualismus und die Möglichkeit, sich vergleichsweise überproportional viel privaten Raum leisten zu können, städtischen Raum veröden lassen. Die Bezeichnung stellt den Versuch dar, gemeinsam genutzten städtischen Raum zu schaffen, der uns zurückführt zu einem gesellschaftlichen Dialog, zu einer Gemeinsamkeit, zu einer sozialen Verantwortung. In Bezug auf den indischen Stadtraum ist dahingehend festzustellen, dass dieser entweder das absolute Maximum einer gesellschaftlichen Einheit darstellt, das heißt: die Erfüllung eines ungeahnt fruchtbaren öffentlichen Raumes, oder aber einen öffentlichen Raum ausschließt, da er vielfältig privat besetzt und damit nicht mehr der Öffentlichkeit vorbehalten ist.
 
In Bezug auf aktuelle stadtsoziologische Diskussionen in Europa sind indische Städte - sofern sie als die maximal mögliche Öffentlichkeit betrachtet werden - Vorbild für jede europäische Großstadt. Sie schaffen es, in einem begrenzten Raum eine Gesellschaft zu definieren, die sich als eine Gemeinschaft versteht und als solche lebt. Im Gegensatz dazu ist die indische Stadt, in der es keinen öffentlichen Raum gibt, weil jeder städtische Raum privat besetzt wird, das beste Beispiel für eine GegenPosition zum Begriff der "schrumpfenden Stadt". Die "schrumpfende Stadt" bezeichnet in Deutschland den zunehmenden Leerstand von ganzen Stadtteilen, eine Re-Urbanisierung, den negativen Stadtwachstum und einen Notstand von städtischem Raum, der ohne menschliche Nutzung verödet. Diese Arbeit stellt die These auf, dass es auch eine Schrumpfung in entgegengesetzte Richtung geben kann. Gemeint ist eine Schrumpfung des öffentlichen Raumes durch vielschichtige Überlagerungen, Aneignungen und multifunktionale Nutzungen.

Fazit

 

 

 


Film: Raimund Binder// Musik: DJ Shadow
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Speedbreaker

 

Die filmische Untersuchung in Ahmedabad trägt den Titel Speedbreaker. Die Kamera besetzt auf der Strasse einen Raum, der sehr schnell durch anhaltende Passanten und andere Verkehrsteilnehmer zu einer Art Installation wird, in der es nicht mehr um das Filmen, sondern um die Interaktion der umgebenden Leute geht. Taxis, Autorikschas, Motor-räder, Fahrräder und Handkarren stoppen und fahren weiter. Das Filmen und die Menschenmenge hinter der Kamera werden nicht als Hinderniss im Verkehr wahrgenommen. Es gibt kein Hupen und kein Schimpfen."Wofür?" "Warum?" "Ein universitäres Projekt über die Besetzung des öffentlichen Raumes."


Position 5 und 6

 

 

 


Position 3 und 4

 

 

 


Position 1 und 2

 

 

 

Schnitt Ahmedabad

 

 

 

Film: Raimund Binder
Größe: 3,1 MB (mov) ansehen
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Can you sketch me the way to the next railway station?

 

Die Bewohner eines Stadtgebietes zu ihrem Wegewissen zu befragen, verrät, wie sie ihre Umgebung wahrnehmen, welche "landmarks" sie benutzen und
wie sie sich selbst im Quartier bewegen. Überraschender Weise zeigte dieses Projekt, dass die Art der Fortbewegung sehr stark von der sozialen Stellung abhängig ist. Für viele Slum-Bewohner gibt es keinen öffentlichen Nahverkehr, das Wegewissen ist äußerst detailiert
und mit kleinen Details umschrieben, wohingegen das andere Extrem - wie etwa die wohlhabenderen Bewohner der Hochhäuser - mit einem einfachen "Nimm ein Taxi" antworten und im Vergleich spärlich ihre Umgebung beschreiben.


Position 5 und 6

 

 

 


Position 3 und 4

 

 

 


Position 1 und 2

 

 

Schnitt Bombay

 

 


Öffentlicher Raum in Indien

Vergleichende phänomenologische Untersuchung in Bombay und Ahmedabad

Studienreise nach Indien 2004

Gemeinschaftsarbeit mit R.Binder,
G.Philips und L.Stannieder
(Fotos Philips,Stannieder,Stauch)

Am Beispiel von Bombay als Megacity und Ahmedabad als islamische Stadtgründung zeigt die Arbeit zu verschiedenen Tageszeiten an ausgewählten Orten sich stetig ändernde Räume und Nutzungen. Indische Städte sind im Allgemeinen geprägt durch ein sehr heterogenes Stadtbild, eine hohe für europäische Städte untypische Menschendichte und eine daraus resultierende außergewöhnliche Besetzung des "öffentlichen Raumes". Diese uns fremd erscheinende und stark variierende Nutzung von Stadtraum entwickelt je nach Wetterlage, Tageszeit oder anderen einwirkenden äußeren Faktoren unterschiedlichste räumliche Situationen und Empfindungen, bis hin zu soziokulturellen Einblicken, die in westlichen Kulturkreisen hinter den Wohnungstüren im Verborgenen bleiben.

In beiden Städten sind 6 Positionen (in Bombay entlang eines Schnittes, in Ahmedabad das Stadtbild prägende Situationen) gewählt, die zu jeweils drei Tageszeiten dokumentiert sind.

 
 
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